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Von Kapstadt bis Windhuk: „Hottentotten“ oder Khoekhoen?
Die Rehabilitierung einer Völkergruppe - Ausstellung geht noch bis zum 27. April 2008

Rehoboter Baster Mädchen aus Namibia
Rehoboter Baster-Mädchen, Namibia, um 1900.
Foto: Linden-Museum Stuttgart
Indonesien Reisbäuerin
Reisbäuerin auf Java/Indonesien
Foto: Prof. Dr. Peter Thiele
Stuttgart (03.03.2008) - Südafrika und Namibia – zwei Länder, die Sehnsucht und viele Assoziationen wecken. Eine davon ist der Aufstieg und Niedergang der deutschen Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwest-Afrika. Seit Ende der 1960er Jahre wird Deutschlands koloniale Vergangenheit mit kontinuierlichem Interesse wissenschaftlich aufgearbeitet, so auch im Linden-Museum Stuttgart.

Die in Deutschland als „Hottentotten“ bekannte Völkergruppe der Khoekhoen (sprich: Koikoin) lebt in Namibia und Südafrika. Die Ausstellung im Linden-Museum zeigt Geschichte, Leben und Alltag der Khoekhoen seit dem 17. Jahrhundert über die Zeit der niederländischen und deutschen Kolonisation bis heute. Sie erinnert damit an die Niederlage der Khoekhoen Namibias (Groß-Nama) in ihrem Freiheitskrieg 1903–08 gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Die deutsche „Schutztruppe“ inhaftierte die meisten Nama in Konzentrationslagern, in denen auch Kinder Zwangsarbeit verrichten mussten. In diesen Lagern herrschten schlechte klimatische, wohnliche und hygienische Bedingungen, die – gepaart mit Mangelernährung – zu meist tödlichen Erkrankungen führten. Gemäß der UN-Konvention von 1948 werden diese Handlungen heute als Völkermord eingestuft, ähnlich dem an den Herero. Historiker schätzen, dass über die Hälfte der damals etwa 20.000 Nama ums Leben kam.

Die Ausstellung im Linden-Museum stellt die Khoekhoen jedoch nicht nur als Verfolgte dar, sondern zeigt ihre bemerkenswerten kulturellen Leistungen, die sie in ihrer über 2000-jährigen Geschichte vollbracht haben. Traditionelle Behausungen, Musikinstrumente, kunstvoll gearbeiteter Perlenschmuck, aber auch farbenprächtige Patchwork-Stoffe aus heutiger Zeit geben einen Einblick in die Lebensweise der Nama. Ein Highlight ist die einzigartige Familienbibel des Nama-Herrschers Hendrik Witbooi in Nama-Sprache: die protestantischen Missionare aus Deutschland hatten bereits Jahrzehnte vor der Kolonialherrschaft die aus Klicklauten bestehende Sprache verschriftlicht.

Veranstaltungen und Führungen zum Fokus Wasser
Themenschwerpunkt vom 2. bis 27. April 2008

Wasser ist zum Leben unerlässlich. Es nährt und säubert. Menschen leben mit und „auf dem Wasser“, z.B. in Regenwaldgebieten, die regelmäßig überschwemmt werden oder im ewigen Eis. Andere Menschen müssen in wasserarmen Gegenden oft sehr mühsam ihr Überleben sichern. Zu viel Wasser kann aber auch zur Bedrohung werden: Flutkatastrophen, das allmähliche Versinken von Südseeatollen oder der Bau von Staudämmen in besiedeltem Gebiet. Wassergottheiten und Rituale sollen helfen das empfindliche Gleichgewicht positiv zu beeinflussen.
Mit dem Fokus: „Wasser“ führt das Linden-Museum Stuttgart einen Jahreszyklus über die vier Elemente fort. In den weiteren Quartalen folgen Erde und Luft.

Alle Informationen zum Themenschwerpunkt finden Sie auch im Internet unter www.lindenmuseum.de!

Fotos und Text: Lindenmuseum Stuttgart