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Lindenmuseum Südafrika
Von Kapstadt bis Windhuk: „Hottentotten“ oder Khoekhoen?
die Rehabilitierung einer Völkergruppe 29. November 2007 bis 27. April 2008

Lindenmuseum Afrika

Do. 27. Dezember, 14 bis 16 Uhr: Nanu Naseweis auf Spurensuche in Afrika. Ferienprogramm ab 8 mit Sonja Schauer und Florian Stifel (3,- Euro)

Auf einem Markt mitten in Nigeria entdeckt Nanu Naseweis eine Kalebassenschüssel auf die als Verzierung altmodische britische Soldaten mit hohen Pelzmützen geschnitzt sind und einen Metallkoffer, der aus Pepsidosen gemacht ist. Außerdem sprechen viele Leute dort englisch miteinander, statt sich in afrikanischen Sprachen zu unterhalten. Verwirrt macht sich Nanu Naseweis auf die Suche nach einer Erklärung und entdeckt dabei immer mehr europäische Spuren in Afrika...

Stuttgart (14.11.2007) - Südafrika und Namibia – zwei Länder, die Sehnsucht und viele Assoziationen wecken.
Eine davon ist der Aufstieg und Niedergang der deutschen Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwest-Afrika. Seit Ende der 1960er Jahre wird Deutschlands koloniale Vergangenheit mit kontinuierlichem Interesse wissenschaftlich aufgearbeitet, so auch im Linden-Museum Stuttgart.

Die in Deutschland als „Hottentotten“ bekannte Völkergruppe der Khoekhoen (sprich: Koikoin) lebt in Namibia und Südafrika. Die Ausstellung im Linden-Museum zeigt Geschichte, Leben und Alltag der Khoekhoen seit dem 17. Jahrhundert über die Zeit der niederländischen und deutschen Kolonisation bis heute. Sie erinnert damit an die Niederlage der Khoekhoen Namibias (Groß-Nama) in ihrem Freiheitskrieg 1903–08 gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Die deutsche „Schutztruppe“ inhaftierte die meisten Nama in Konzentrationslagern, in denen auch Kinder Zwangsarbeit verrichten mussten. In diesen Lagern herrschten schlechte klimatische, wohnliche und hygienische Bedingungen, die – gepaart mit Mangelernährung – zu meist tödlichen Erkrankungen führten. Gemäß der UN-Konvention von 1948 werden diese Handlungen heute als Völkermord eingestuft, ähnlich dem an den Herero. Historiker schätzen, dass über die Hälfte der damals etwa 20.000 Nama ums Leben kam.

Die Ausstellung im Linden-Museum stellt die Khoekhoen jedoch nicht nur als Verfolgte dar, sondern zeigt ihre bemerkenswerten kulturellen Leistungen, die sie in ihrer über 2000-jährigen Geschichte vollbracht haben. Traditionelle Behausungen, Musikinstrumente, kunstvoll gearbeiteter Perlenschmuck, aber auch farbenprächtige Patchwork-Stoffe aus heutiger Zeit geben einen Einblick in die Lebensweise der Nama. Ein Highlight ist die Familienbibel des Nama-Herrschers Hendrik Witbooi in Nama-Sprache: die protestantischen Missionare aus Deutschland hatten bereits Jahrzehnte vor der Kolonialherrschaft die aus Klicklauten bestehende Sprache verschriftlicht. Diese einzigartige Bibel wurde 1893 von den Deutschen bei der Erstürmung des befestigten Regierungssitzes von Witbooi geraubt. 1902 schenkte sie Hofrat P. Wassmannsdorf aus dem Reichskolonialamt in Berlin dem Linden-Museum Stuttgart.

Eintritt: € 7,-/5,- inkl. Dauerausstellungen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Text: Lindenmuseum Stuttgart, Foto oben: Sabine Klocke-Daffa, Foto rechts: A. Dreyer/Linden-Museum Stuttgart