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Schmelztiegel der Religionen?
Thementag zum Synkretismus in Afrika und Amerika

Holand Peru - fotoagentur stuttgart Rosar
religiöse Darstellungen im Hochland Perus im Straßenverkauf
Stuttgart - Das Linden-Museum Stuttgart lädt am Samstag, 28. Oktober von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr zum Thementag „Schmelztiegel der Religionen?“ ein. Der Thementag mit Karin Mochnatzki und Dietmar Neitzke nähert sich an Beispielen aus Afrika und Amerika dem Phänomen Synkretismus, das die Verschmelzung mehrerer Religionen zu einem neuen System bezeichnet. Interessierte können sich bis 20. Oktober 2006 anmelden: Tel. 0711.2022-409, 9 bis 12 Uhr, E-Mail: sekretariat2@lindenmuseum.de. Die Teilnahmegebühr beträgt € 20,-.

Die Religion der Kolonisatoren verdrängt vollständig einheimische religiöse Vorstellungen – dies ist ein Bild, das vor allem mit der christlichen Mission in der sogenannten Dritten Welt verbunden wird. Vernachlässigt wird dabei meist die Realität vieler Glaubensgemeinschaften, in der alte Symbolsysteme und Praxisformen neben dem Christentum bestehen bleiben oder sich gar vermischen. Solche Vermischungen werden als Synkretismus bezeichnet. An Beispielen aus Amerika und Afrika will sich der Thementag dem Phänomen Synkretismus nähern.

Die indianischen Bauern im Hochland Perus und Boliviens haben trotz der brutalen Missionierung und Unterdrückung ihre religiösen Rituale nicht aufgegeben. Die Apus, die in Bergen residierenden Götter, oder Pachamama, die Erdmutter, spielen bis heute eine wichtige Rolle. Sie werden in Gebeten und Opferritualen angerufen und um Beistand gebeten. Dabei kann es um die Vermehrung der Lamaherden oder den gefährlichen Bergbau genauso gehen wie um Heilung, Karneval oder moderne Probleme, z.B. den Wunsch nach einem eigenen Auto oder einem Visum für die reichen Länder des Nordens. Teils sind die alten Götter synkretisch mit den katholischen Heiligen verbunden, teils aber besteht die „andine Naturreligion“ auch eigenständig neben dem Katholizismus.

In Afrika sind es vor allem die sogenannten Besessenheitskulte, die Elemente indigener Religionen in die Praxis der Weltreligionen Islam oder Christentum einbinden. So kennt das islamische Weltbild der Hausa in Westafrika neben Allah, dem Himmel und der Erde mit den Menschen auch die bori: Bei einem bori kann es sich um verstorbene muslimische Geistliche, aber auch um nichtislamische Ahnen oder Naturdämonen handeln, die vom Menschen Besitz ergreifen und für dessen Krankheiten verantwortlich sein können. Auch in der Heilungszeremonie, die in den Ablauf islamischer Feste integriert wird, zeigt sich ein Nebeneinander von islamischer und nicht-islamischer Tradition. Den Besessenheitskult findet man auch unter der christlichen Bevölkerung Äthiopiens.

Text und Foto: Lindenmuseum Stuttgart